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Tag 11 – Schöne Ausblicke und kleine Unsicherheiten

Heute wache ich erst gegen 8.30 Uhr auf. Ich habe mir keinen Wecker gestellt, weil ich heute mehr als genug Zeit zur Verfügung habe. Schliesslich steht nur eine nicht allzu anstrengende Tageswanderung auf dem Programm. Ursprünglich sind drei Wanderungen zur Auswahl gestanden, da der West Rim Trail wegen eines Feuers im letzten Monat aber noch immer geschlossen ist, sind des nur noch deren zwei, die sich zudem innert weniger Stunden bewältigen lassen müssten. Es sind dies die Wanderungen auf Angels Landing und zum Observation Point. Meine Wahl fällt auf den Observation Point, weil ich vor der letzten Passage auf Angels Landing einfach zu viel viel Respekt habe. Es ist nicht so, dass ich mir den Abschnitt nicht zutrauen würde, denn in den Alpen habe ich schon ganz andere Klettersteige erlebt, aber der grosse Unsicherheitsfaktor sind hier bestimmt die Massen an Leuten, die mit schlechtem Schuhwerk unterwegs sind. Ich habe keine Lust, mich von jemandem, der im Fallen nach allem und jedem greift, mitreissen zu lassen. Letztes Jahr ist dort eine 34 jährige Frau aus Las Vegas in den Tod gestürzt und getreu dem Motto „Vorsichtig ist die Porzellankiste“ meiner Mutter fällt meine Wahl deswegen auf den Observation Point.

Erst versuche ich aber erneut, das Internet zum Laufen zu bringen. Nachdem mir dies wieder nicht gelingt, stiefle ich zur Rezeption in der Hoffnung, dass heute jemand dort sitzt, der ein wenig mehr Ahnung hat als der Typ von gestern. Die Dame kann mir aber auch nicht weiterhelfen und verbindet mich telefonisch gleich mit der Chefin Mary, die das WLAN eingerichtet hat. Mary zeigt sich ob meiner Vorschläge, wie man das WLAN für alle Gäste einfacher machen könnte total unkooperativ und beantwortet meine Fragen und Vorschläge mit den drei typischen Beamten-Antworten: „Das habe ich immer schon so gemacht“, „Das habe ich noch nie so gemacht „ und „Da könnte ja jeder kommen“. Immerhin schlägt sie mir vor, ich könne ja zu ihr zum Sol Food Market kommen und das Internet dort ausprobieren. Das lass ich mir nicht zwei Mal sagen, packe meinen Laptop und fahre die kurze Strecke um Sol Food Market, direkt am Parkeingang. Komischerweise funktioniert dort alles, obwohl Mary mir unzählige Male versichert, sie habe im Hotel alles identisch eingerichtet. Sie meint, ich könne hier umsonst surfen, solange ich Gast in ihrem Hotel bin.

Da ich nun schon mal da bin, bestelle ich mir ein Frühstück, lade einen weiteren Tagesbericht auf meine Webseite hoch und bringe auch das Fotoalbum auf den neuesten Stand. Die Zeit vergeht wie im Flug und gegen 11.00 Uhr werde ich hektisch. Ich muss ja der Adventure Company bis Mittag bekannt geben, ob ich morgen mit dem Shuttle zur Chamberlains Ranch will, ansonsten sie die bereist bezahlten Fahrkosten auf jeden Fall behalten. Dazu müsste ich aber erst wissen, ob überhaupt Bewilligungen für die Narrows ausgestellt werden. Nach dem Kauf einiger Lebensmittel fahre ich also schnell zurück zum Hotel, hole meinen bereits gepackten Rucksack ab und fahre mit dem Shuttle zum Parkeingang. Beim Backcountry Desk erfahre ich, dass ab morgen wieder Bewilligungen zu haben sind. Bevor mir die Tante hinterm Schalter aber die Bewilligung ausstellt, muss ich mir einen Film über die Narrows ansehen. Dabei wird die notwendige Ausrüstung aufgezeigt und auch vor Flash Floods gewarnt. Wenn man an einer blöden Stelle in den Narrows erwischt wird, ist man mausetot. Entweder wird man von dem ganzen Krempel erschlagen, den die Springflut mit sich führt, oder man ertrinkt jämmerlich. Das Tückische an der Sache ist, dass im Nationalpark eitel Wonne Sonnenschein herrschen kann, man sich dadurch aber nicht auf der sicheren Seite wiegen darf. Für eine Springflut reichen nämlich bereits Regenfälle im weit entfernten Quellgebiet des Virgin Rivers aus, von denen man in den Narrows unmöglich etwas mitbekommen kann.

Mit der Bewilligung in der Tasche besteige ich das nächste Shuttle und fahre Richtung Weeping Rocks. Das kostenlose Shuttle ist sicherlich eine tolle Sache, aber man hat bei dem Schnecken-Tempo das Gefühl, nie am Ziel anzukommen. Schliesslich erreichen wir um 12.30 Uhr endlich die Haltestelle Weeping Rocks. Voller Tatendrang hüpfe ich aus dem Shuttle und mach mich gleich an meine heutige Wanderung. Heute sind 655 Höhenmeter und 12 Kilometer hin und zurück zu bewältigen. Der National Park Service gibt eine Marschzeit von insgesamt 5 Stunden vor. Das kann also nicht so schlimm sein.

Gleich zu Beginn wird nicht lange gefackelt und es geht gleich steil aufwärts. Das gefällt mir, denn irgendwo müssen die Höhenmeter ja gemacht werden und ich latsche nicht gerne kilometerweit, bis es endlich richtig losgeht. Ich bin gespannt, wie die Route verläuft, denn von unten sieht man nur Felswände. Erst vom Observation Point aus kann man den Verlauf des in den Stein gehauenen Wegs sehr gut erkennen.

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Nach unzähligen Serpentinen führt der Weg überraschenderweise in einen Canyon. Damit habe ich nicht gerechnet und bin darüber hocherfreut.

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Nach dem Verlassen des Canyons, der schon mal einen kleinen Vorgeschmack für die morgen beginnende Narrows-Wanderung bietet, noch ein kurzer Blick zurück.

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Dann geht es weiter auf dem Weg, der sich sehr schön am Felsen entlang nach oben schlängelt. Mir gefällt das ausserordentlich gut und bin inzwischen heilfroh, mich für diesen Weg statt für Angels Landing entschieden zu haben.

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Inzwischen ist es Zeit für eine Pause, deswegen setzte ich mich gemütlich hin, geniesse den Blick in die Landschaft und freue mich darüber, dass während der ganzen Pause kein Mensch zu sehen ist. Einfach herrlich!

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Dann geht es weiter. Der in den Fels gehauene Weg windet sich weiter nach oben, bis man das Plateau erreicht. Oben angekommen ist ein nicht mehr allzu langer Fussmarsch bis zum Observation Point zu absolvieren, wo sich mir nach insgesamt 1:50h Anstrengung endlich das ganze Panorama offenbart. Weiter unten ist Angels Landing zu sehen. Schade, dass ich keinen Feldstecher dabei habe, um die Leute dort beobachten zu können. Ein Paar aus Tampa bittet mich, ein paar Fotos von Ihnen zu schiessen und so kommt man recht schnell ins Gespräch. Wie üblich werden die Erfahrungen ausgetauscht, berichtet und nachgefragt, was man schon gesehen hat und was man unbedingt noch sehen muss. Sie möchte unbedingt noch auf Angels Landing und ist nicht sehr erfreut darüber von mir zu erfahren, dass dort letztes Jahr eine Frau zu Tode gestürzt ist. Als die beiden sich dann wieder an den Abstieg machen klappere ich die nahe liegende Umgebung ab, um ein paar Fotos für meinen Reisebericht zu schiessen.

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Dann mache ich mich wieder an den Abstieg und bin nach 1:30h wieder beim Shuttle Stopp. Es ist inzwischen schon ordentlich heiss und ich bin recht k.o. Auf die Emeral Pools habe ich nun keine Lust mehr. Weil ich aber schon da bin, beschliesse ich schnell mal bei den Heulsusen von Felsen, den Weeping Rocks, vorbeizusehen. Die sind in Natura nicht so interessant, dass sich der Weg alleine für sie lohnen würde, aber aus der richtigen Perspektive geschossen, gelingen doch tolle Fotos die sich als Desktop-Hintergrund gut machen.

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Anschliessend besteige ich wieder das Shuttle Richtung Parkeingang und erwische einen Busfahrer, der sich auch als Alleinunterhalter sieht, einen Witz nach dem anderen reisst und an jeder Ecke eine neue Geschichte zum Zion Nationalpark bereithält. Den Mitfahrern gefällts und ich muss hie und da auch schmunzeln. Auf jeden Fall gestaltet sich die Fahrt relativ kurzweilig. Beim Sol Food Market besteige ich das Springdale Shuttle, das mich wieder zum Hotel bringt. Dort hüpfe ich unter die Dusche und mache mich dann gegen 18.00 Uhr auf zur Zion Adventure Company, die schräg gegenüber auf der anderen Strassenseite liegt, um mir dort meine Ausrüstung für die Narrows zu holen. Konkret geht es um einen Wanderstock, ein Paar Neopren-Socken und Canyoneer 5.10-Schuhe, mit denen man problemlos im Wasser wandern kann.

Dann der nächste Schock. Die Mutti hinterm Tresen erklärt mir, dass es auf der Zufahrtsstrasse zur Chamberlains Ranch geregnet habe und daher nicht sicher sei, ob das Shuttle überhaupt fahre. Bei Nässe würde sich auf der Strasse eine tiefe Schlammschicht bilden, in der das Shuttle einfach stecken bliebe. Ich solle kurz vor 20.00 Uhr wieder kommen, dann wisse sie schon mehr. Na toll, nicht dass mir jetzt die paar Regentropfen einen Strich durch die Rechnung machen!

Ich beschliesse, inzwischen einen Happen Essen zu gehen. Das Bit and Spur Restaurant and Saloon, das überall so hoch gelobt wird, ist leider geschlossen. Also stoppe ich schnell beim Hotel und fahre dann mit dem Laptop weiter zum Sol Food Market, wo ich mich im Internet über andere Tipps in der Nähe schlau mache. Die Wahl fällt nach kurzer Zeit auf Oscar’s Cafe, das zudem ideal direkt neben der Adventure Company liegt. Da ich nun mal schon da bin, surfe ich noch ein wenig im Internet herum, lade die heutigen Fotos hoch und mache mich dann zurück zum Hotel. Auto abgestellt, Laptop zurück ins Zimmer und nach einem Blick auf die Uhr festgestellt, dass sich das Essen jetzt fast nicht mehr lohnt. Also schnell bei Oscar’s Cafe gefragt, wie lange die denn geöffnet haben (laut Internet soll der Laden schon um 21.00 Uhr dicht machen) und nach Auskunft, dass erst um 22.00 Uhr geschlossen wird, gehe ich rüber zur Adventure Company.

Dort weiss man noch immer nicht Bescheid, ob das Shuttle fährt. Inzwischen hat sich der Chef der Sache angenommen, läuft mit dem Handy wie in Tiger im Käfig durchs Geschäft schimpft und redet wie wild auf jemanden ein. Die Mutti hinterm Tresen meint, sich solle doch einfach später wieder kommen. Die Narrows will ich mir auf keinen Fall entgehen lassen, weswegen ich vor Ort bleibe und mich regelmässig über den Stand der Dinge erkundige. Auf meine Frage, ob ich denn der Einzige sei, der sich für die Fahrt interessiere, meint die Mutti hinterm Tresen, dass man den anderen einfach gesagt habe, man würde sie telefonisch verständigen, falls die Fahrt nicht stattfinden sollte. Nachdem ich dem Chef erzählt habe, wie wichtig mir die Wanderung ist und ich da unbedingt hin müsse, schickt er mich mit einem Mitarbeiter zum Socken, Schuhe und Wanderstock aussuchen und verschwindet wieder wild gestikulierend mit seinem Handy. Anschliessend muss ich wieder einen Film über die Gefahren der Narrows ansehen. Die gehen hier aber wirklich auf Nummer sicher. Kurze Zeit später taucht der Chef wieder auf, meint es wäre alles in Ordnung für die morgige Fahrt und dass ich um 6.00 Uhr hier sein solle.

Erleichtert lade ich die eben gemieteten Utensilien im Hotelzimmer ab und gehe endlich zu Oscar’s Cafe, um dort einen Happen zu essen. Inzwischen habe ich einen Bärenhunger, deswegen bestelle ich mir gleich den grössten Burger auf der Karte mit einem ganzen Pfund Fleisch. Dazu Pommes aus Sweet Potatoes und ein Microbrew. Der Burger ist so riesig, dass ich nur mit Mühe und Not meinen Mund weit genug aufbekomme, um einen Bissen davon zu nehmen. Sowohl die Pommes als auch der Burger erweisen sich als supergut, ich bin begeistert!

Anschliessend geht es zurück zum Hotel, um meinen Rucksack für Morgen zu packen. Da bei dieser Wanderung wirklich alles wasserdicht verpackt werden muss, falls man in den Narrows im Virgin River umfällt, und natürlich nebenbei der Fernseher läuft, bin ich bis nach Mitternacht damit beschäftigt. Gegen 0.30 Uhr lege ich mich endlich schlafen.

Gefahrene Meilen: 5.6

Tag 10 – Gipfelglück und andere Gegebenheiten

View code  
Route:  Ely, NV - Great Basin NP - Cedar Breaks NM - Springdale, UT
Link:  Route in der Vollbildansicht

Da heute eine voraussichtlich 6 Stunden dauernde Wanderung auf den 3′982 Meter hohen Wheeler Peak im Great Basin Nationalpark ansteht und allerorts vor den Nachmittagsgewittern gewarnt wird, klingelt heute mein Wecker schon um 4.30 Uhr. Meine sieben Sachen sind bereits gepackt und so sitze ich schon um 5.10 Uhr im Auto und fahre los Richtung Wheeler Peak. Zum Glück habe ich gestern schon getankt, denn ich möchte ein paar Fotos des Berges während des Sonnenaufgangs schiessen. Angesichts der recht langen Anfahrt von Ely wird sich das wohl nicht ganz ausgehen. Selber schuld, wäre ich gestern eben früher ins Bett. Die Regenwolken von gestern haben sich mehr oder weniger verzogen, das Wetter sollte meiner Wanderung also heute keinen Strich durch die Rechnung machen. Kurz vor 6.30 Uhr erreiche ich den Park. Da sich nicht sehr viele Besucher hierher verirren (im Jahr 2006 waren es nur deren 78′524), werden keine Eintrittsgebühren verlangt. Zum Vergleich: Yosemite hatte im Jahr 2006 ganze 3′242′644 Besucher, der Grand Canyon stolze 4′279′439 und der relativ kleine Zion Nationalpark noch immer beachtliche 2′567′350.Ich biege ab auf den Wheeler Peak Scenic Drive und düse Richtung Trailhead. Die Strasse würde eigentlich eine zügige Fahrweise zulassen, vor allem da ausser mir ist sonst kein Mensch unterwegs ist. Da aber nach der ersten Kurve ein Hase die Fahrbahn überquert und zwei Kurven später ein Rehbock mitten auf der Strasse steht, drossle ich mein Tempo beträchtlich, vor allem in den Kurven. Unglaublich, wie viele Tiere hier unterwegs sind. Auf den 12 Meilen bis zum Trailhead zähle ich zwei Hirschböcke, zwei Hirschkälber und acht Hirschkühe. Toll! Auch der Blick auf den Wheeler Peak ist nicht zu verachten.

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Am Trailhead angelangt erfolgen die üblichen Vorbereitungen und um 7.00 Uhr kann es endlich mit der heutigen Wanderung losgehen. Auf dem Programm stehen insgesamt 14 Kilometer bei 885 Höhenmetern wofür ich 6 Stunden veranschlage. Natürlich rechne ich damit, schneller als in 6 Stunden zurück zu sein. Am Parkplatz steht nur ein anderes Auto, auf dem Gipfel wird man sich also nicht gegenseitig auf die Füsse treten.

Der erste Teil der Wanderung führt eben durch einen recht ansehnlichen Laubwald. Erst wenige Schritt getan, laufen mir schon zwei Beisfusshühner über den Weg. Leider verschwinden sie auch schon wieder im Unterholz, bevor ich die Digitalkamera zücken kann. Ein paar Schritte weiter läuft mir schon die nächste Maultierhirschkuh über den Weg. Diese ergreift ob meines Anblicks aber sofort die Flucht. Seh ich denn so furchterregend aus? Da ich aber wenigstens das nächste Tier auf die Speicherkarte bannen möchte, halte ich die Digitalkamera schussbereit und siehe da, keine zwei Minuten später überrasche ich zwei Hirschkühe und ein Hirschkalb beim genüsslichen Frühstück. Ist ja unglaublich, wie viele Tiere hier zu sehen sind. Schnell zwei Fotos geschossen und weiter geht’s, mit der Kamera im Anschlag. Über den nächsten Kilometer tut sich aber nichts mehr, deswegen packe ich die Digitalkamera wieder weg. Es kommt, wie es kommen muss: Nach keinen fünf Minuten erreiche ich eine Lichtung und sehe eine ganze Hirsch-Herde vor mir. Ich zähle ganze 13 Tiere, die mir zwar den einen oder anderen prüfenden Blick zuwerfen, mir in der Folge aber keinerlei Beachtung mehr schenken. Ich beobachte die Tiere ein wenig, schiesse das eine oder andere Foto und mache mich dann wieder auf die Socken. Bin ja schliesslich zum Wandern hier.

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Sind bisher keine Höhenmeter zu überwinden gewesen, beginnt an dieser Stelle endlich der eigentliche Anstieg. Zum Eingewöhnen beginnt er aber auf den ersten Kilometern aber nur mit einer leichten Steigung, zudem verläuft er auch in die „falsche“ Richtung, nämlich nördlich zum Bald Mountain. An der Flanke des Bald Mountains dreht der Wanderweg aber wieder Richtung Süden direkt zum Ziel des Tages, dem Wheeler Peak. Dieser Teil der Wanderung ist sehr sehenswert, weil zum einen der Wheeler Peak ständig im Blickfeld liegt und zum anderen immer wieder uralte Grannen- oder Borstenkiefer am Wegesrand stehen. Im Jahr 1964 wurde hier (damals noch kein Nationalpark) einer dieser Bäume gefällt und damit wohl das wahrscheinlich älteste Lebewesen der Welt vernichtet. Am Baum wurden erst 4′844, später sogar 4′862 Ringe gezählt. Ein ähnlich alter Grannen- oder Borstenkiefer wächst noch im Gebiet der White Mountains in Kalifornien. Zum Schutz des Baumes wird der genaue Standort aber geheim gehalten.

An der Baumgrenze beginnt dann der eigentliche Aufstieg. Irgendwo müssen ja die Höhenmeter gemacht werden. Zuvor mache ich aber noch eine kleine Pause und geniesse den Ausblick in die Ebene hinunter. Als ich nach etwa 10 Minuten den Berg wieder in Angriff nehmen will, sprintet ein leicht beladener Wandersmann an mir vorbei, ruft mir noch zu „this is where the fun starts“ und „see you on top“, und huscht leichtfüssig die Flanke des Berges hoch. Bei dem Tempo dürfte der wohl eher schon wieder auf dem Weg nach unten sein, wenn ich den Gipfel erreiche. Der Aufstieg gestaltet sich längst nicht so anstrengend wie beim Mount Shasta, dies vor allem deshalb, weil ein trittfester Wanderweg bis auf den Gipfel führt und man sich somit nicht im Geröll einen Weg suchen muss.

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Etwa die Hälfte der Flanke hinter mir, überhole ich einen anderen Wandersmann, der noch immer ganz fasziniert von der wohl sehr kurzen Begegnung mit dem leicht beladenen Wandersmann ist: „Did you see that guy? He was just flying by me. I think he wasn’t even wearing any socks!“.

Das letzte Stück hat es wirklich in sich, vor allem auch wegen der inzwischen erreichten Höhe. Die Blicke ringsum entschädigen aber mehr als genug für die Anstrengungen. Nach 2:50 Stunden erreiche ich den Gipfel und siehe da, der leicht beladene Wandersmann ist wirklich noch hier oben und geniesst die Sonne. Er entpuppt sich als Manager der R.E.I Filiale bei Las Vegas (die ganzen Fotos von R.E.I Mitarbeitern, die in jeder Filiale zu finden sind und die sie bei jensten Outdoor-Aktivitäten zeigen, sind also nicht gestellt), heisst Mike und ist gestern erst aus dem Zion National Park angereist, von wo er vor dem Wetter geflüchtet ist. Er erzählt mir, dass die Narrows wegen der Regenfälle derzeit gesperrt sind, diese aber wohl wieder geöffnet sein werden, bis ich dort eintreffe. Dein Wort in Gottes Ohr Mike, denn nach dem Mount Shasta muss das 2. Highlight nicht auch noch scheitern. Für meine Verhältnisse bleibe ich recht lang auf dem Gipfel und unterhalte mich mit Mike über verschiedene Wanderungen quer durch Nordamerika. Etwa 20 Minuten später taucht auch der von mir überholte Wanderer auf. Es ist Curt, der südlich von Los Angeles in der Mojave-Wüste lebt. Früher, so erzählt er, sei es dort noch absolut ländlich gewesen. Er sei als Kind noch mit einem Esel in die Wüste marschiert und habe dort gezeltet. Inzwischen gebe es aber sogar Gang-Kriminalität. Schwarze gegen Mexikaner. Vor kurzem sei sogar jemand in einem Park erschossen worden während Kinder dort gespielt haben. Hätte er nicht so einen tollen Job, wäre er schon längst weggezogen. Mit seinen 52 Jahren sei es halt schwer, einen anderen Job zu finden. Nach dem Gespräch mit Curt – Mike hat sich zwischenzeitlich schon verabschiedet – schiesse ich noch einige Fotos der absolut sehenswerten Umgebung.

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Dann verabschiede ich mich von Curt und mach mich an den Abstieg. 1:30 Uhr und ein paar Maultierhirsch-Sichtungen später bin ich schon wieder bei meinem Auto. Es ist fast genau Mittag und über dem Wheeler Peak haben sich die Wolken schon für das Nachmittagsgewitter zusammengezogen.

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Ich setze mich ins Auto und fahre Richtung Cedar City, Utah. Bevor ich den Park verlasse stoppe ich aber noch beim fast ausgestorbenen Visitor Center und erkundige mich nach den Namen der von mir gesehen Tiere. Dabei erzählt mir der weibliche Park Ranger, dass irgendein Spassvogel Truthähne augesetzt habe und es nun im Nationalpark wilde Truthähne gebe. Ausserdem sei der Park auch Heimat des Gabelbocks, der amerikanische Antilope. Schade, dass ich keine von denen gesehen habe.

Anschliessend geht die Fahrt weiter in Richtung Utah. Ähnlich der US-50 bietet auch die die UT-21 jede Menge Landschaft und führt ebenso über mehrere Gebirgsketten, die sich aber nicht ganz so weit in die Höhe ragen.

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Gegen 15.00 Uhr erreiche ich Cedar City. Da ich noch mehr als genug Zeit habe, beschliesse ich einen Abstecher zum Cedar Breaks National Monument zu machen. Nach einem kurzen Stopp im Burger-Joint Carl’s Jr. fahre ich auf der UT-14 auf über 3′000 Meter hinauf zum National Monument. Die Strasse ist wirklich wunderschön, alleine deswegen würde sich die Fahrt schon lohnen. Aufgrund der Regenfälle der letzten Tage führt der parallel verlaufene Fluss noch eine Menge Erde mit sich.

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Beim Cedar Breaks National Monument angekommen stelle ich mit Freude fest, dass sich der Abstecher wirklich gelohnt hat. Ich fahre zu sämtlichen Aussichtspunkten und schiesse überall meine Fotos, um so viele Eindrücke wie möglich mitzunehmen.

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Dann geht es zurück nach Cedar City und von dort auf direktem Weg nach Springdale, das direkt beim Parkeingang zum Zion National Park liegt. Gleich als erstes stoppe ich bei der Adventure Company, wo ich mir für übermorgen eine Fahrt zur Chamberlains Ranch buchen möchte. Die Dame hinter der Kasse klärt mich auf, dass für morgen vom National Park Service wegen anhaltend hohem Wasser keine Bewilligungen rausgegeben wurden, und dass morgen kein Shuttle fährt. Ob es übermorgen fährt, kann sie mir noch nicht sagen. Dennoch buche und bezahle ich eine Fahrt, handle mir aber eine Frist bis morgen Mittag aus, um sie wieder stornieren zu können. Bis dahin würde ich wissen, ob ich eine Bewilligung bekomme oder nicht.

Anschliessend geht es zum Hotel, das direkt schräg gegenüber liegt. Mit Freunden stelle ich fest, dass das Hotel über kostenloses WLAN verfügt. Nachdem ich meine ganzen Sachen ins Zimmer geschafft habe, wird natürlich sofort das Notebook gestartet, aber der Schlüssel will einfach nicht funktionieren. Ich frage bei der Rezeption noch einmal nach und der Typ kann mir nicht weiterhelfen. Das sei der Schlüssel, den ihm seine Chefin gegeben habe, und mehr wisse er auch nicht. Nun gut, werde ich es eben noch einmal probieren. Nach einer halben Stunde Probierens steht fest: Alles vergebene Mühe, das WLAN will einfach nicht. Statt im Internet zu Surfen, sortiere ich eben Fotos, bereite sie sie für die Webseite auf und schreibe an längst überfälligen Tagesberichten. Draussen ist es inzwischen schon längst dunkel und weil ich einerseits keinen Hunger verspüre, und es mir andererseits schon sehr bequem gemacht habe, gehe ich nichts mehr essen sondern bleibe stattdessen im Zimmer. Ich bin ausserdem schon recht müde. Schliesslich bin ich schon lange auf den Beinen und habe gestern vielleicht vier Stunden geschlafen.

Gefahrene Meilen: 343.4