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Tag 14 – Viva Las Vegas!

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Route:  Springdale, UT - Valley of Fire State Park - Las Vegas, NV
Link:  Route in der Vollbildansicht

Um 6.00 klingelt mein Wecker. Wie von der Tarantel gestochen hüpfe ich aus dem Bett. Rise and Shine, Baby! Heute geht es nämlich um Football-Tickets für die Detroit Lions. Vor einigen Monaten habe ich nämlich festgestellt, dass ich schon lange kein Football-Spiel mehr live im Stadion gesehen habe. Nach einem kurzen Blick auf den Spielplan der Lions habe ich mit Freude festgestellt, dass die Lions im November gleich zwei Heimspiele innerhalb von 5 Tagen austragen. Das hat für mich nach einer idealen Gelegenheit geklungen, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Nämlich meine beiden ehemaligen Gastfamilien aus meiner Zeit als Austauschschüler wieder mal zu besuchen und die Lions gleich zwei Mal live im neuen Ford Field zu sehen. Das Ganze auf Kosten von gerade mal einer Woche Urlaub. Eigentlich sind das ja sogar vier Fliegen, weil während dieser Woche auch noch Thanksgiving stattfindet und Ohio State gegen Michigan im Big House (= Michigan Stadium in Ann Arbor mit 107’501 Plätzen) spielt. Für letzteres sind zwar nur Karten auf dem Schwarzmarkt zu haben, die von $400 aufwärts kosten, aber alleine schon das Spiel live im Fernsehen zu sehen, dürfte ein Genuss sein. Also schnell mir mal wieder eine Rasur gegönnt, dann ab unter die Dusche und auf zum Sol Foods Market & Deli. Da kann man nur hoffen, dass die die Türe wirklich rechtzeitig für mich öffnen. Vor dem Sol Foods Market & Deli kann ich sehen, dass drinnen jemand geschäftig Frühstück vorbereitet, nur leider hat sie kein Auge für mich. Erst als ich wie wild herumhüpfe und mit beiden Armen fuchtle (Hampelmann lässt grüssen) nimmt sie mich wahr und öffnet mir die Türe. Schnell den Laptop an die Steckdose anschliessen und aufstarten das Teil. Es ist 06.50 Uhr, also noch genug Zeit. WLAN weigert sich aber zu funktionieren, deswegen muss die Kiste neu gestartet werden während sie sich nette Worte von mir anhören darf. Beim zweiten Versuch klappt dann alles und ich bin online. Es ist inzwischen schon 06.59 Uhr, also schnell ins gestern erstelle Ticketmaster Konto eingeloggt (entsprechend einer Kochsendung: Ich hab da schon mal was vorbereitet) und den Link zu den Karten für das Spiel Green Bay Packers @ Detroit Lions gewählt. Die sind zum Glück noch nicht zu haben, ich bin also noch rechtzeitig. Ich drücke immer wieder auf F5, um die Seite neu zu laden, aber da steht immer das Selbe: „Die Karten gehen am 30. August um 10.00 Uhr Eastern in den freien Verkauf“. Na toll, das hätte schon vor 10 Minuten sein sollen und es ist noch immer nichts zu sehen. Langsam werde ich wieder nervös, dann komme ich auf die Idee mal im Internet zu suchen, wie spät es denn jetzt an der Ostküste ist. Das grosse, weise Internet verrät mir, dass es dort erst 09.10 Uhr ist. Da fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Ich bin ja jetzt nicht mehr in der Pacific sondern in der Mountain Zeitzone! Toll, hätte ich eine Stunde länger schlafen können. Aber egal, wenn ich schon da bin lade ich doch gleich ein paar Fotos hoch und arbeite weiter an meinen Reiseberichten. Damit bin ich dann so beschäftigt, dass ich beinahe vergesse, mich um 8.00 Uhr wieder bei Ticketmaster einzuloggen, um mir die Karten zu sichern! Dennoch komme problemlos zu einer Karte für das Spiel Green Bay Packers @ Detroit Lions und zu einer Karte für das Spiel New York Giants @ Detroit Lions. Strahlend wie ein Honigkuchen-Pferd verlasse ich unmittelbar danach Sol Foods Market & Deli und fahre zurück zum Hotel. Bis 10.00 Uhr muss ich raus aus dem Zimmer sein. Als erstes stelle ich den Gasbrenner draussen auf die Veranda, um das restliche Gas zu verbrennen, dann kümmere ich mich um meine restlichen Sachen. Glücklicherweise ist nicht mehr allzu viel zu erledigen, weil ich gestern schon damit begonnen habe, meine Koffer flugfertig zu packen. In Las Vegas werde ich dazu wohl keine Zeit haben. Als ob es geplant wäre, ist fast exakt um 10.00 Uhr das Gas alle und der Brenner kann in den letzten verbleibenden Koffer gepackt werden. Die leere Gaskartusche lasse ich zusammen mit ein paar Dollar Trinkgeld und dem Schlüssel im Zimmer zurück und fahre dann kurz nach 10.00 Uhr los Richtung Las Vegas, natürlich mit dem obligatorischen Abstecher durchs Valley of Fire.

Nach einer ereignislosen Fahrt, die nur auf dem über Arizona führenden Strassenabschnitt einigermassen interessant ist, erreiche ich nach etwa 2.15 Stunden Fahrt den Osteingang des Valley of Fire State Parks. Ich halte beim ersten Parkplatz an, um dort die Selbstregistrierung vorzunehmen. Als ich aus dem Auto aussteige trifft mich fast der Schlag. Es ist einfach nur heiss, heiss, heiss und nochmals heiss. Nicht dass ich das nicht gewusst hätte, immerhin habe ich während der Fahrt das Aussenthermometer beobachten, wie es schön langsam auf über 100° Fahrenheit (= 38° Celsius) geklettert ist, aber die mir entgegenkommende Hitze verdirbt mir sofort die Lust, hier grössere Sprünge zu machen.

Da ich aber schon mal da bin, schaue ich mir ein paar Highlights an. Erstes Fotomotiv ist logischerweise der Elephant Rock, den nun wirklich jeder Besucher fotografiert und daher in jedem Reisebericht zu finden ist (meiner soll da keine Ausnahme sein).

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Ebenfalls auf die Speicherkarte gebannt wird der Archrock, der wahrscheinlich das Fotomotiv Nummer 2 im Park sein dürfte.

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Daneben schiesse ich noch einige andere Fotos, mit denen ich die Leserschaft aber nicht weiter langweilen will. Bei kälteren Temperaturen lohnt es sich sicherlich, das weniger fotografierte Hinterland mal in Angriff zu nehmen. Das merke ich mir schon mal für die bereits in meinem Kopf herumschwirrende Reise vor, bei der ich den Tonto-Trail im Grand Canyon erkunden möchte. Nach nur einer Stunde verlasse ich den Park schon wieder Richtung Westen. Interessant finde ich den Umstand, dass nichts auf diese bunte Farbenwelt des Valley of Fire hindeutet, und dass der aus Las Vegas kommende Besucher nicht erahnen kann, dass sich unmittelbar links hinter der gezeigten biederen Hügelkette das farbenprächtige Valley of Fire versteckt.

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Weiter geht es Richtung Las Vegas. Kurz nach dem Las Vegas Motor Speedway bahnt sich ein Stau an, weswegen ich sofort von der I-15 runter fahre und der parallel verlaufenen Strassen folge. Alles nicht sehr spektakulär, also beschliesse ich einen In-N-Out Burger zu finden, um dort etwas essen zu gehen. Ich meine, bei meinen Reisevorbereitungen mal einen im nordwestlichen Teil der Stadt gesehen zu haben. Zuvor halte ich noch schnell bei einem ATM, um mein Bargeld ein wenig aufzustocken, man kann ja nie wissen. Nachdem ich ein wenig in der Gegend herumgefahren bin und dabei festgestellt habe, dass Las Vegas abseits des Strips sehr unspektakulär aussieht, finde ich tatsächlich einen In-N-Out Burger. Dort bestelle ich mit natürlich wieder einen Double-Double Animal Style und während ich in der Nähe des Tresens auf mein Essen warte, spazieren ein paar Cheerleader der in der Nähe gelegenen Palo Verde High School herein. Da sie direkt vor mir stehen bekomme ich natürlich mit, was für oberflächliche Banalitäten besprochen werden und fühle mich gleich wieder in meine Zeit als Highschool Schüler in Michigan zurückversetzt. Herrlich! Anschliessend statte ich einem in der Nähe gelegenen Buchladen einen Besuch ab, langweilige mich aber recht schnell. Ich beschliesse, zu meinem Hotel zu fahren. Es ist zwar noch immer ordentlich vor der offiziellen Check-In Zeit, aber vielleicht ist meine Suite schon bereit. Ja, ihr habt richtig gelesen. Nach alle den günstigen Unterkünften übernachte ich heute in einer Suite, die ironischerweise die günstigste Übernachtung auf der ganzen Reise sein wird. Aufgrund eines Fehlers im Buchungsystem habe ich statt $259 plus Taxen nur $34.47 inklusive aller Taxen zahlen müssen. Ich bin gespannt, ob beim Check-In noch etwas nachbezahlt werden muss.

20 Minuten später erreiche ich das Platinum Hotel & Spa, nur einen Block östlich des Strips. Ich fahre einfach ins Parkhaus und stelle meinen Trailblazer in den ersten Stock, obwohl es hier nur Valet Parking zu geben scheint. Schnell ein paar Sachen mitgenommen und auf geht es zur Rezeption. Meine Suite ist schon fertig und beim Check-In stelle ich mich blöd, als die Dame nach meiner Kreditkarte fragt. Ich frage, ob die Karte nur für Extra-Ausgaben wie Telefongespräche oder Minibar sei, da mein Zimmer ja schon komplett bezahlt sein sollte. Ich hätte noch nie über diesen Anbieter gebucht und wüsste nicht, ob das auch wirklich geklappt habe. Sie bestätigt, dass das Zimmer bereits bezahlt ist und drückt mir zwei Schlüsselkarten in die Hand. Mit dem Aufzug fahre ich ein paar Stockwerke nach oben und betrete meine Suite. Nicht schlecht für $34.47 an einem Freitag Abend in Las Vegas.

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Nachdem ich meinen ganzen Kram in die Suite geschleppt habe, verlasse ich das Hotel Richtung Strip. Auf dem Weg dorthin stoppe ich noch schnell beim Ellis Island Casino vorbei. Dort soll es nicht nur ein extrem günstiges Steak-Special sondern auch eigens gebrautes Bier um nur einen Dollar geben. Wie es der Zufall so will, liegt das Casino in unmittelbarer Nähe zu meinem Hotel.

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Nachdem ich noch keinen Hunger habe marschiere ich anschliessend direkt weiter zum Strip. Vom ehemaligen Flamingo Hilton schlendere ich auf der östlichen Seite des Strips hinauf bis zum Venetian, rüber zum Treasure Island und auf der westlichen Seite wieder hinunter bis zum Bellagio. Dabei stelle ich fest, dass mir die älteren und viel kleineren Casions deutlich besser gefallen als die riesigen Casino-Bunker, die sich gegenseitig mit Superlativen zu übertreffen versuchen. Vom Bellagio quere ich den Strip Richtung Planet Hollywood. Inzwischen habe ich genug gesehen und Hunger und Durst macht sich bemerkbar. Dennoch beschliesse ich, noch schnell einen Abstecher zum MGM einzulegen, um dort den genauen Ort des KÀ Theatres ausfindig zu machen. Ich bin nämlich im Besitz einer Karte für die 21.30 Uhr Vorstellung von Cirque du Solei KÀ. Bei der Karte habe ich ebenfalls ein Schnäppchen gemacht, denn sie kostet lediglich $57.25 für einen Platz, bei dem man normalerweise das doppelte bezahlen müsste. Nach einer ewig erscheinenden Herumhatscherei ist das Theater gefunden und ich mache mich zu Fuss über die Koval Lane auf zum Ellis Island Casino.

Etwa 20 Minuten später erreiche ich mein Ziel und stelle mit Bedauern fest, dass das Restaurant dort schon regelrecht belagert wird und man mit einer langen Wartezeit zu rechnen hat. Ich lasse mir also ein Nummer geben und setzte mich an eine Penny-Slotmachine. Nach etwa 10 Minuten habe ich meinen Einsatz bereits fast verachtfacht (aus $1.00 wurden $7.83). Statt meinen Gewinn mitzunehmen spiele ich weiter, verliere natürlich wieder alles und nachdem ich noch zwei weitere Dollarnoten in den Automat gesteckt und verloren habe, beschliesse ich mein Geld stattdessen vernünftiger an der Bar anzulegen. Für einen läppischen Dollar bekommt man hier nämlich 20 Unzen (= 591ml) eines von vier vor Ort frisch gebrauten Bieren serviert. Ich setzte mich an die Bar, bestelle mir ein Weizen und schau mir irgendein Football-Spiel zwischen zwei Wald-und-Wiesen-Colleges im TV an. Nach einiger Zeit bestelle ich mir noch ein Weizen, ruf der Kellnerin noch hinterher, dass ich dieses mal aber keine Zitronenscheibe in meinem Bier sehen möchte, und habe kurze Zeit später ein Weizen mit gleich zwei Zitronenscheiben vor mir stehen. Ich sehe mir mehr oder weniger interessiert das Football-Spiel weiter an als sich plötzlich die Dame neben mir zu mir rüberlehnt und mit mir zu reden beginnt. Der Typ neben ihr habe sie ständig angegraben, ich hätte das sicher mitbekommen. Jetzt sei er gerade abgelenkt und sie würde die Chance nutzen, von ihm loszukommen. Sie sieht aus wie eine etwas ältere Version von Kim Cattrall, die in der Serie „Sex and the City“ die sexbesessene Samantha Jones verkörpert. Sie erzählt mir, dass sie von der Ostküste stamme, vor vielen Jahren der Liebe wegen nach Los Angeles gezogen sei und jetzt ein Dessous-Geschäft in Las Vegas führe. Es entwickelt sich ein recht interessantes Gespräch über Gott und die Welt und weil im Barbereich die aufgerufenen Nummern für den Restaurant-Bereich nicht zu hören sind, verpasse ich prompt meine Nummer. Glücklicherweise bekomme ich aber dennoch sofort einen Tisch zugeteilt und bestelle natürlich das 10 Unzen Sirloin Special mit Salat und Beilagen für schlappe $4.95. Natürlich kann man um den Preis die Qualität nicht mit einem waschechten Steakhouse vergleichen, aber ich bin mit dem Gebotenen sehr zufrieden. Da man im Restaurant-Bereich nicht beim Spielen sein Geld verlieren kann, kostet das Bier dort etwas mehr, $1.50 um genau zu sein. Nachdem ich mir den Bauch vollgeschlagen habe probiere ich an der Bar noch ein Glas Amber-Ale und muss dann nach einem Blick auf die Uhr Hals über Kopf aufbrechen. Es ist bereits 20.45 Uhr und um 21.15 Uhr muss ich im KÀ Theatre auf meinem Platz sitzen, da sonst meine Karte verfällt.

Schnellen Schrittes marschiere ich Richtung MGM. Glücklicherweise habe ich zuvor die genaue Lage des KÀ Theatres ausgekundschaftet, sonst würde ich sicherlich zu spät kommen. Beim KÀ Theatre steht schon eine lange Schlange vor dem Einganz und zu allem Übel muss ich noch notfallmässig auf die Toilette. Punkt 21.10 verlasse ich das stille Örtchen und laufe wieder Richtung KÀ Theatre. Da sich auf dem Gang zwischen den Slot-Machines ein lange Schlange gebildet hat, umgehe ich diese einfach rechterhand hinter den Slot-Machines und stehe keine Minute später vor einem Herrn, der meine Karte Punkt 21.14 Uhr einscannt. Das war knapp! Anschliessend begebe mich auf meinen Platz und warte, bis die 90-minütige Show beginnt. Kurz nach 23.00 Uhr ist die tolle Show vorbei, das hat sich auf jeden Fall gelohnt, wenn auch „O“ besser sein soll.

Zu Fuss mache ich mich auf den Weg nach Hause, ist noch immer drückend heiss. Aus meinem Auto hole ich mir noch schnell ein paar Bier aus dem Cooler und mache es mir in meiner Suite auf der Couch gemütlich. Ich muss morgen zwar schon kurz nach 4.00 Uhr aufstehen, wenn man aber schon mal eine Suite zur Verfügung hat, sollte man diese doch wenigstens ein paar Minuten ausnützen. Gegen 01.00 Uhr bin ich dann hundemüde und schmeisse mich ins Bett. War wieder ein langer aber toller Tag.

Gefahrene Meilen: 216.4

Tag 13 – Der Exodus und nächtliche Störenfriede

Der 13. Tag beginnt mit einem Adrenalinstoss. Durch einen Schlag an die Zeltwand direkt neben meinem Kopf werde ich aus dem Schlaf gerissen. Instinktiv schlage ich zurück und verharre dann wie in Totenstarre, um besser hören zu können, was um mich herum vorgeht. Ich höre irgendwelche Tiere ums Zelt schleichen. Wie viele es sind, kann ich aber nicht beurteilen. Da die Geräusche aber von entgegengesetzten Seiten kommen, müssen es mindestens zwei sein. Unverzüglich nehme ich meine Stirnlampe und mein Taschenmesser in die Hand und lausche weiter. Klingt irgendwie wie diese Morse-Code Klopfer, die man aus den alten Western kennt. Das kommt mir unheimlich vor. Nach ein paar Minuten höre ich auch das Rascheln meines Müllsacks, den ich gestern Abend direkt neben dem Zelt über den Stumpf eines abgebrochenen Astes gehängt habe. Da ich wie schon beim Mount Shasta meine beiden Zelttüren – abgesehen vom Moskitonetz – offen gelassen habe, leuchte ich mit der Stirnlampe linkerhand zu dem keinen Meter entfernt hängenden Müllsack und sehe gerade noch den buschigen Schwanz irgendeines Tieres, das sofort die Flucht ergreift. Ein Rascheln auf der anderen Seite lässt mich rechterhand zu meinem Rucksack leuchten. Dort schnüffelt gerade ein anderes dieser Viecher an meinem Rucksack herum. Dieses Mal kann ich aber besser sehen, wer da um mein Zelt schleicht. Sieht aus wie eine Katze mit einem grossen buschigen Schwanz. Wenn ich mitten in der Nacht von zwei Katzen besucht werden möchte, dann aber sicherlich nicht von solchen, die sich über meinen Müll hermachen. Inzwischen hat sich das andere Viech schon wieder auf den Ast mit meinem Müllsack getraut. Ein kurzes Leuchten und es ist schon wieder weg. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es 0.30 Uhr ist. Die Tiere werden mit der Zeit immer frecher weil sie merken, dass ich sie zwar anleuchte, aber nicht aus meinem Zelt heraus komme. Also muss ich nun auch laut zischen, rufen usw. Als sie sich dann auch dadurch nicht mehr beeindrucken, lassen steige ich aus dem Zelt, renne ihnen schreiend nach und schlage sie damit in die Flucht. Wäre ja gelacht, wenn ich mich von den kleinen Kerlen terrorisieren lasse. Vorsorglich platziere ich aber einen Stock neben dem Zelteingang, lege mich wieder hinein und schliesse das Moskitonetz. Mit dem Taschenmesser (natürlich mit zugeklappter Klinge) und der Stirnlampe in der Hand lege ich mich wieder hin und lausche, ob sich noch etwas bewegt. Weil ich nichts mehr höre schlafe ich dann irgendwann wieder ein.

Gegen 5.30 Uhr erwache ich erneut ob des Raschelns des Müllsacks. Mit der Lampe leuchte ich in Richtung des Raschelns und sehe eines der Viecher wie es versucht, den Müllsack vom Stumpf des abgebrochenen Astes zu ziehen. Wieder schlage ich es in die Flucht. Das Tier ist offensichtlich „not amused“ und gibt mir das mit einem Schulterblick auch zu verstehen.

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In einem letzten Aufbäumen, um vor dem Sonnenaufgang doch noch an meinen Müll zu kommen, lässt sich der Held nun von gar nichts mehr beeindrucken. Eine gute Gelegenheit für mich, Fotos von dem Treiben zu schiessen, denn das glaubt mir sonst keiner.

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Da ich keine Lust habe, morgens dann den ganzen Müll quer verstreut über den Zeltplatz zusammen zu suchen, bleibe ich wachsam und renne dem Viech noch ein paar Mal hinterher, um es in die Flucht zu schlagen.

Irgendwann, als ich es auch noch mit Sand beworfen habe, lässt es mich endlich in Ruhe und ward nicht mehr gesehen. Natürlich hätte ich den Müllsack auch mit ins Zelt nehmen können, aber ich wollte nicht, dass zuletzt noch mein Zelt angeknabbert und beschädigt wird. Da es sich inzwischen nicht mehr zu schlafen lohnt und ich ausserdem nicht weiss, ob ich doch noch einmal mit Besuch rechnen kann, lese ich stattdessen im Grundmann weiter und leuchte ab und zu zum Müllsack oder zum Rucksack. Es bleibt aber ruhig, die Störenfriede sind also endgültig vertrieben.

Gegen 07.00 Uhr steige ich aus dem Zelt und mache mir Frühstück. Es ist gerade noch oder wieder so warm, dass ich mir ausser meiner kurzen Hose und dem Funktions-Shirt nichts weiter anzuziehen brauche. Meine restliche Kleidung ist nämlich noch immer wasserdicht verpackt und ich habe keine Lust, diese vor dem Abmarsch wieder neu verpacken zu müssen. Da ich nach zwei Tee und zwei Bagels meinen Gasbrenner während dieser Reise nicht nicht mehr benötige, drehe ich ihn auf die höchste Stufe, um die Gaskartusche zu leeren. Währenddessen baue ich das Zelt ab und packe gewissenhaft meinen Rucksack. Es ist inzwischen schon fast 08.00 Uhr und der Gasbrenner macht noch immer keinerlei Anstalten, endlich auszubrennen. Hätte nicht gedacht, dass die Gaskartusche so lange hält. Da ich keine Lust habe, noch länger zu warten, packe ich das Teil wieder ein und mache mich um fast exakt 08.00 Uhr auf den Weg Richtung Temple of Sinawava.

Beim Zeltplatz #7 schlafen noch alle friedlich und als ich zu Zeltplatz #8 komme, sehe ich gerade Deb und Mike aufbrechen. Natürlich zeige ich ihnen gleich die Fotos der nächtlichen Besucher und Deb meint, es handle sich um Ringschwanz-Katzen. Sie selber habe zwar noch nie eine gesehen. Gestern sei aber ein Hirsch auf der anderen Seite des Virgin Rivers an ihrem Zeltplatz vorbeispaziert. Auf meine Frage, von wo sie denn Wasser bekommen hätten mein Deb, dass sie ihr Wasser aus dem Virgin River gepumpt hätten. Sie hätten Taschentücher als Grobfilter vor dem eigentlichen Wasser-Filter verwendet und dabei insgesamt drei Taschentücher verbraucht. Da habe ich mit meinem Zeltplatz ja grosses Glück gehabt. Ich verabschiede mich wieder und setze meine Wanderung fort. Da die Sonne noch zu tief ist, um in den Canyon zu leuchten, erspare ich mir für die Fotos bis zu den Big Springs, dem Umkehrpunkt für alle Tageswanderer vom Temple of Sinawava. Inzwischen ist es zwar schon fast 9.30 Uhr, das Licht aber noch immer noch sehr schlecht zum fotografieren. Die Big Springs als markanten Punkt möchte ich schon fotografisch festhalten.

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Kurz nach den Big Springs beginnen die Narrows, wie man sie von Fotos hauptsächlich kennt, und so langsam lässt sich auch endlich die Sonne blicken. Laut Karte soll es aber hier drei Abschnitte geben, bei denen man hin und wieder schwimmen muss. Ich hoffe, dass das heute nicht der Fall sein wird, denn bis jetzt ist mir das Wasser höchstens bis zum Knie gestanden.

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Im Gegensatz zum Kolob Creek ist der Orderville Canyon sehr interessant und auf jeden Fall einen Abstecher wert. Man muss nämlich ein wenig Klettergeschick mit sich bringen, um die ohne Bewilligung erlaubte Meile bis den Veiled Falls hinter sich zu bringen. Erst beginnt der Canyon sehr eng, dann scheinen die Wände aus Gold zu sein und schliesslich erreicht man die nicht sehr imposanten aber sehr fotogenen Veiled Falls. In meinen Augen ist der Abstecher ein Muss, wenn man genug Zeit dazu hat.

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Kaum aus dem Orderville Canyon zurück in den Narrows, kommt mir nach der ersten Biegung das Paar aus Tampa entgegen, das ich vorgestern auf dem Obervation Point getroffen habe. Sie erzählen, dass sie noch immer nicht auf Angels Landing gewesen seien und fragen, wie weit es noch bis zur Wall Street wäre. Ein paar Minuten später verabschiede ich mich und mache mich zügig bis zum Ende bzw. aus meiner Sicht bis zum Beginn des geteerten Riverside Walks. Obwohl die Narrows noch immer sehr sehenswert sind, interessieren sie mich inzwischen nicht mehr ganz so sehr. Ich denke, ich habe mich inzwischen statt gesehen oder es hat auch vielleicht etwas damit zu tun, dass für meinen Geschmack zu viele Leute unterwegs sind. Interessant finde ich aber, dass man mit dem grossen Rucksack an allen Ecken mit Bewunderung angeschaut wird und beinahe jeder Zweite fragt ganz neugierig, ob man die ganzen Narrows gemacht habe und ob man auch dort übernachtet habe. Scheinbar wird dies von vielen als ein ganz grosses Abenteuer angesehen, obwohl dies meiner Meinung nach von allen – abgesehen von total unsportlichen Zeitgenossen – mit Leichtigkeit geschafft werden kann.

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Gegen 13.15 Uhr beim Riverside Walk angekommen und nie weiter als bis zur Hose nass geworden, wasche ich noch einmal den Sand aus den Socken und den Schuhen und muss mich wieder mal über deutsche Touristen wundern die glauben, dass Deutsch eine elitäre Sprache sei die fast niemand versteht. Als ich nämlich mit dem Rücken zu meinem Rucksack sitze und meine Schuhe und die Socken mehr schlecht als recht vom Sand befreie, amüsieren sich drei köstlich darüber, dass sich ein Eichhörnchen gerade an meinen Rucksack ranmacht, um Essbares zu finden. Als ich mich gespielt „zufällig“ umdrehe sehe ich gerade, wie das Eichhörnchen auf seinen Hinterbeinen steht, sich mit den Vorderbeinen am Rucksack anlehnt und herumschnuppert. Nach einem „get lost!“ und der entsprechenden verscheuchenden Handbewegung sucht das Tier das Weite und die deutschen Touris sind enttäuscht, dass ich ihnen den Spass verdorben habe.

Überhaupt wimmelt es hier nur so von Touristen. Als ich schnellen Schrittes Richtung Temple of Sinawava eile, höre ich Deutsche, Franzosen, Italiener und auch ein Rudel schwer mit Kameras bepackter Japaner kommt mir entgegen, dicht gefolgt von einem ebenfalls schwer mit Kameras behangenen Rudel Chinesen. An jeder Ecke sitzen die von den Touristen gefütterten Eichhörnchen, die sich brav fotografieren lassen. Ich bin zwar selber auch nur ein Tourist aber ich mag es ganz und gar nicht, an diesen Umstand erinnert zu werden, weswegen ich jetzt einfach nur noch zum Shuttle und raus aus dem Park will. Endlich im Shuttle kann ich entspannt die Fahrt geniessen. Während mir vorgestern die Fahrt mit dem Shuttle viel zu langsam vorgekommen ist, gefällt es mir heute, einfach nur gemütlich da zu sitzen, und Landschaft und Leute zu beobachten.

Beim Visitor Center mache ich mich noch schnell über die lästigen Störenfriede der letzten Nacht kundig, kaufe mir beim Sol Foods Market & Deli einen 6-Pack Bier und ein paar Früchte, und hüpfe dann in den Springdale Shuttle, der mich zum Hotel bringen soll. Als das Shuttle losfährt, ruft mir ein Mann in Anspielung auf meinen grossen Rucksack zu, dass ich meine Frau nun wieder rauslassen könne.

Beim Hotel angekommen wasche ich die Schuhe samt der Socken gewissenhaft mit einem Gartenschlauch und lasse sie dann auf der Veranda zum Trocknen liegen. Nach einer gründlichen Dusche gönne ich mir ein Bierchen und schmeisse mich aufs Bett, um ein wenig in den Fernseher zu starren. Da nichts Interessantes läuft, packe ich meinen Laptop und fahre mit dem Trailblazer zurück zum Sol Foods Market & Deli. Auf dem Weg dorthin bringe ich noch die Schuhe, Socken und den Stock zur Zion Adventure Company zurück. Beim Sol Foods Market & Deli muss ich feststellen, dass mein WLAN Schlüssel nicht mehr funktioniert. Mary ist noch immer auf Geschäftsreise, also haue ich deswegen den anderen Co-Chef an, der gerade da ist. Er habe den Schlüssel gestern geändert und gibt mir gleich den neuen. Kaum im Internet surfe ich gleich zur Webseite der Detroit Lions, um noch einmal zu bestätigen, dass morgen um 10.00 Uhr Eastern die Karten für einzelne Spiele zum Verkauf freigegeben werden. Detroit Tix hat mir ja schon vor einiger Zeit die Auskunft gegeben, dass von den 65′000 Karten pro Spiel nur etwas 4′000 in den freien Verkauf kommen und dass die innerhalb weniger Minuten ausverkauft sein werden. 10.00 Uhr Eastern, da müsste ich ja um 7.00 Uhr zuschlagen, aber Sol Foods Market & Deli öffnet erst um 7.00 Uhr. Bis meine 6 Jahre alte Pentium III Rochel aufgestartet ist und ich endlich im Internet bin, sind doch längst alle Karten weg! Ich schildere dem Co-Manager mein Dilemma und der gibt gleich Anweisung, mich morgen schon um 6.45 Uhr reinzulassen. Toll, das gefällt mir! Ich surfe noch ein wenig im Internet herum und beschliesse dann, mir bei der Zion Pizza & Noodle Co. eine ordentliche Pizza zu holen.

Leider stell sich vor Ort heraus, dass die nur Cash akzeptieren und da ich mir dass wenige verbleibende Bargeld noch aufbewahren möchte, fahre ich gleich weiter zum Bit and Spur Saloon. Dort bestelle ich mir mit der Chicken Fajita eine meiner absoluten Leibspeisen, die sogar noch bei den “House Favorites” zu finden ist. Die Vorfreude wird aber schnell getrübt, denn so eine mickrige und absolut durchschnittlich schmeckende Fajita ist mir in meinem ganzen Leben noch nie aufgetischt worden. Nicht mal einen Teller bekomme ich, um dort die Fajita zu beladen und zu rollen. Dass das einer der besten Mexikaner in Utah sein soll, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Unterm Strich kann ich niemandem raten hier zu speisen. Es bleibt zum Glück die einzige kulinarische Enttäuschung auf meiner ganzen Reise.

Enttäuscht fahre ich zurück zum Hotel und sehe noch ein wenig, was im TV läuft. Da ich jetzt noch genug Zeit an der Hand habe beschliesse ich, heute schon die Koffer so weit wie möglich flugfertig zu packen. Dann muss ich mich in Las Vegas nicht damit beschäftigen. Nachdem die Koffer schon beim Hinflug zum Bersten voll gewesen sind (alleine meine Wanderutensilien füllen schon einen ganzen Koffer) und ich inzwischen auch schon wieder ein paar neue Sachen gekauft habe, erweist sich das Unterfangen als echte Herausforderung. Jeder erdenkliche Hohlraum wird ausgenutzt, sogar die Nalgene-Flaschen werden mit Gegensänden gefüllt. Was die Gewichtsverteilung anbelangt, muss ich einfach grob schätzen. Irgendwann schlafe ich erschöpft ein. Natürlich nicht, ohne vorher den Wecker auf 6.00 Uhr gestellt zu haben. Will ja nicht die Chance auf meine Lions Tickets verschlafen.

Gefahrene Meilen: 3.4