Archiv für die 'Humboldt Redwoods State Park' Kategorie

Tag 05 – Der Husarenritt

View code  
Route:  San Francisco, CA - Redwoods National and State Parks - Yreka, CA
Link:  Route in der Vollbildansicht

Heute liegt ein langer Tag vor mir. Wenn ich dem Routenplaner Glauben schenken kann, muss ich heute mit 11:30h reiner Fahrzeit rechnen. Deshalb habe ich mir gestern auch den Wecker auf 5.30 Uhr gestellt, um heute gegen 6.00 Uhr losfahren zu können. 6.00 Uhr wird es zwar nicht ganz, aber immerhin komme ich um 6.10 Uhr vom Hotel weg. Der erste Stopp erfolgt gleich direkt hinter der Golden Gate Bridge. Die Blue Hour ist wohl die beste Zeit, ein Bild der Brücke zu schiessen. Ausser mir weiss das aber scheinbar niemand, denn ich bin vollkommen allein. Während fast einer halben Stunde schiesse ich unzählige Fotos und als die Sonne aufgeht, taucht endlich auch ein weitere Fotograf auf.

20070822-01.jpg

Ich könnte noch ewig dort stehen bleiben, um die Brücke in all ihren Farbnuancen zu fotografieren, aber ich habe ja noch einiges vor. Rein ins Auto und los geht die Fahrt, nur sollte ich langsam mal tanken gehen. Da das Benzin nördlich der Brücke deutlich billiger ist, schlage ich natürlich erst hier zu. Mit vollen Tank geht es dann auf der US-101 nach Norden. Auf der Gegenspur herrscht bereits um die Uhrzeit ein endloser Stau Richtung San Francisco. Unbeindruckt düse ich Richtung Norden. Bis wenige Meilen vor Phillipsville ist die Streck zwar streckenweise interessant, aber nichts, das mir lange in Erinnerung bleiben wird. Vor Phillipsville fahre ich aber von der US-101 ab auf die mehr oder minder parallel verlaufende “Avenue of the Giants”, die mich im Humboldt Redwoods State Park von einer Redwood Baumgruppe zur anderen bringt. Schon beindruckend muss ich sagen. Meine Nase berührt während der Fahrt fast die Frontscheibe, damit ich ja genug von den Bäumen mitbekomme. Nach etwa einer halben Stunde Staunen geht es wieder auf die US-101. Der Abstecher hat sich auf jeden Fall gelohnt. Jetzt knapp vor Eureka bekomme ich aber langsam Hunger, immerhin ist es schon 12.30 Uhr. Kurz bevor ich Eureka verlasse, fahre ich über die Brücke nach Samoa zum Samoa Cookhouse. Dabei handelt es sich um eine Art ehemalige Mensa aus dem vorletzten und letzten Jahrhundert für Holzfäller aus der Gegend, die aber seit vielen Jahrzehnten auch der Öffentlichkeit zugänglich ist. Es gibt keine Speisekarte sondern gegessen wird, was gerade gekocht wird. Man setzt sich einfach an einen der grossen Tische mit rot-weiss karrierter Tischdecke und schon steht die Kellnerin auf der Matte. Wie es sich für einen Holzfäller gehört, werden auch keine mickrigen Portionen aufgetischt, sondern man kann von allem so viel essen wie man möchte. Ich bekomme erst eine Kartoffelsuppe, gefolgt von einem Salat und anschliessend Short Ribs mit Bohnen, Erbsen und Pasta, und zum Dessert ein Stück Kuchen mit Café. Bei $10.95 für den ganzen Spass kann man wirklich nicht meckern. Das Essen schmeckt gut, nur die Pasta ist überkocht und meilenweit von “al dente”. Unterm Strich sicher eine Empfehlung wert, auch wenn man es eilig hat und eigentlich nur zu Fastfood greifen möchte. Ich verbinge nur eine halbe Stunde dort, obwohl ich alle Gänge mitmache und von den Short Ribs noch Nachschlag bestelle.

Mit vollem Bauch geht die Fahrt weiter zu den Redwoods National and State Parks, ein buntes Gemisch aus verschiedenen Parks, die sich allesamt die Redwoods im Mittelpunkt haben. Vorher wird in Eureka aber noch einmal der Tank meines Trailblazers gefüllt. Meine Fahrt führt mich erst zum Visitor Center, wo ich mir eine Karte des Parks abhole. Mit einem kleinen Umweg über den Newton B. Drury Scenic Parkway, auf dem ich mir für die Rückfahrt schon mal die interessanten Bäume merke, fahre ich vom Visitor Center direkt zum Mouth of the Klamath River Overlook. Was sich mir da bietet ist zwar recht nett, aber nicht so beindruckend wie die Bilder, die ich vorab schon schon im Internet bestaunt habe. Dennoch Foto schiessen, und weiter gehts zurück über den Newton B. Drury Scenic Parkway zum Fern Canyon.

20070822-07.jpg

Dieses mal halte ich aber ein paar mal an, um das eine oder andere Bäumchen auf die Speicherkarte der Digitalkamera zu bannen.

20070822-08.jpg 20070822-10.jpg

Die Strasse zum Fern Canyon führt über eine Dreckstrasse, erst durch den Wald hinunter zum Strand, dann diesem entlang und abschliessend durchquert man noch drei Bäche. Für selbige braucht man zwar kein Auto mit Schnorchel, aber ich kann mir vorstellen, dass die nach Regenfällen ordentlich Wasser führen. Teilweise ist die Strecke recht ruppig, aber das hindert scheinbar nicht viele daran, mit ihrem normalen PKW hinunter zu fahren. Der relativ grosse Parkplatz ist fast komplett voll. Sogar ein Miet-RV steht unten am Parkplatz, der Fahrer muss echt nicht ganz gebacken sein.

20070822-17.jpg 20070822-15.jpg

Ich frage mich, ob der Fern Canyon die Fahrt wert ist. Ich bin da sehr skeptisch, denn die Bilder die ich bisher gesehen habe, sind nicht wirklich überragend. Überall wird er aber in höchsten Tönen gelobt und einer der Teilnehmer der Anchor Steam Brauerei-Tour vor zwei Tagen hat sogar am Bau des Trails mitgearbeitet. Am Strand angekommen muss ich zudem $6 für den Eintritt zum Park berappen, ich bin gespannt. Kaum aus dem Auto ausgestiegen und die ersten paar Schritte getan, orte ich schon das erste Highlight: Hier laufen doch tatsächlich stattliche Hirsche am Strand herum. Einer erschreckt gerade ein paar Touristen die glauben, dass die Schilder “Nicht zu Fuss den Hirschen nähern” nicht für sie gelten, indem er ein Stück mit vollem Karacho auf sie zuläuft und dann stehen bleibt. Ich finde das auf jeden Fall relativ lustig. Währendessen fotografiere ich den zweiten Hirsch, der sich das Treiben von der Distanz ansieht.

20070822-12.jpg

Ein paar Schritte weiter befinde ich mich schon im Fern Canyon. Was ich sehe ist zwar relativ nett, aber nicht wirklich toll. Halt ein Haufen Farn das links und recht an der Wand hängt. Da ich aber schon mal da bin schiesse ich ein paar Fotos und fahre dann entlang des Strandes und durch den Wald zurück zur befestigten Strasse.

20070822-13.jpg 20070822-14.jpg

Dort fahre ich ein kurzes Stück Richtung Eureka, biege dann aber relativ bald auf die Bald Hills Road Richtung Osten. Die ist zu Beginn geteert, mutiert dann aber im weiteren Verlauf zu einer Dreckstrasse. Lediglich der Abschnitt über die Bald Hills ist sehenswert, der aber so wirklich. Runderhum kann man Hügel ausmachen, die dicht von Bäumen bewachsen sind, nur die Bald Hills sind kahl und vornehmlich mit gelbem Gras bewachsen. Gefällt mir sehr gut.

20070822-18.jpg 20070822-19.jpg

Es geht unspektakulär runtert zum Bigfoot Scenic Highway. Unspektakulär deshalb, weil nach den Bald Hills links und rechts Bäume die Strasse säumen und man ausser der Strasse nichts sehen kann. Der Bigfoot Scenic Highway gibt schon mehr fürs Auge her, und als ich dann vor Somes Bar auf die Salmon River Road abbiege bin ich restlos begeistert. Die Farben, einfach grossartig! Dieses gelbe Gras, braune Felsen, rote Erde, grüne Bäume und der wilde Salmon River als ständiger Begleiter, einfach grossartig! Ich kann mich gar nicht sattsehen. Schade nur, dass die Sonne schon tief steht und nicht mehr bis ins Tal hinunter scheint. Deswegen gelingen auch keine Fotos, die das geschriebene wiederspiegeln können. Als ich dann bei Forks of Salmon auf die Sawyers Bar Road abbiege trifft mich vor Begeisterung glatt der Schlag: Die Strasse ist nun einspuring, schlängelt sich kurvenreich ohne irgendwelche Leitplanken hoch oberhalb des Flusses entlang. Das in Kombination mit dem Farbenspiel macht einfach Spass und Laune zum Fahren, obwohl ich schon so lange unterwegs bin. Wirklich grossartig! Als ich mich langsam Etna nähere habe ich erst das Gefühl, dass die Landschaft nun nachlässt, doch dann windet sich die Strasse steil nach oben und führt über einen Pass von dem ich noch im letzten Licht den Mond über den Trinity Alps bewundern kann. Fantastisch, in die Gegend werde ich sicher noch einmal kommen!

20070822-20.jpg

Im Dunkeln fahre ich die letzten Meilen noch nach Yreka, wo ich gegen 21.15 Uhr eintreffe und gleich im Motel 6 einchecke. Nachdem ich mehr als 15 Stunden unterwegs gewesen bin habe ich keine Lust mehr, irgendwo etwas essen zu gehen. Zudem bin ich noch immer satt vom Somoa Cookhouse. Ich verschiebe den Besuch im benchbarten Black Bear Diner auf das Frühstück und schlafe schnell tief und fest.

Gefahrene Meilen: 524.9