Tag Archiv für 'Seven-Mile-Canyon-Road'

Tag 09 – Auf und nieder, immer wieder

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Route:  Reno, NV - Lake Tahoe - Virginia City, NV - Ely, NV
Link:  Route in der Vollbildansicht

Da ich heute wieder relativ viele Meilen zu bewältigen habe (es geht immerhin quer durch ganz Nevada), bin ich um 07.00 Uhr schon auf den Beinen. Da ich gestern meine beiden Koffer relativ unangetastet gelassen habe, gibt es nicht wirklich viel zu packen, und ich kann schon vor 8.00 Uhr vom Hotel wegfahren. Mein erster Stopp erfolgt schon nach etwas mehr als einer Meile. Ich muss meine Vorräte wieder ein wenig auffrischen und mir vor allem einen Lippenbalsam kaufen. Meine Lippen sind schon so spröde und rissig, dass ich gestern Abend die Schärfe des Wasabis intensiver als sonst erlebt habe. Ich benötige ausserdem noch ein paar Plastiktüten, die sich luftdicht verschliessen lassen, und ein paar Müllsäcke. In wenigen Tagen bin ich nämlich im Zion Nationalpark in den Narrows unterwegs, und da muss alles wasserdicht eingepackt sein. Schnell noch den Trailblazer auffüllen und los geht es erstmals Richtung Südwesten.

Wenn ich schon mal in der Gegend bin, kann ich doch auch noch einen Blick auf den Lake Tahoe werfen. Mich hat der zwar noch nie so wirklich gereizt, aber ich bin doch neugierig, warum so viel Wirbel darum gemacht wird und warum die Fahrt am Ufer entlang an verschiedenen Stellen als „The Most Beautiful Drive in America“ bezeichnet wird. Ich fahre also erstmals den Mount Rose Scenic Byway Richtung Lake Tahoe. Die Strasse schraubt sich bis auf 2′723m hoch, bevor sie kurz nach der Passhöhe die ersten Blicke auf den Lake Tahoe preisgibt. Sieht zwar ganz nett aus, als Amerika-Routinier bin ich aber vorerst nicht wirklich beeindruckt.

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Vielleicht erschliesst sich mir die Schönheit des Sees ja, wenn ich am Ufer entlang fahre?

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Nach der Fahrt der Ostküste entlang bis nach Stateline muss ich sagen, dass sich der Abstecher nicht wirklich gelohnt hat. Wenn man in Reno lebt ist das sicher grossartig, nach nicht einmal einer Stunde Fahrt statt in der Halbwüste an einem hochalpinen See zu stehen, aber warum Amis von allen Ecken des Landes einfliegen und deswegen die Motels unverschämt hohe Preise verlangen können, verstehe ich nicht. Nun gut, ich muss ja nicht alles verstehen.

Weiter geht die Fahrt über Genoa, der ältesten Siedlung Nevadas, und Carson City, der Hauptstadt Nevadas, bis nach Virginia City. Der Name dieser Stadt ist sicher jedem ein Begriff, denn schliesslich sind die Cartwrights in der Serie Bonanza regelmässig nach Virginia City geritten. Die Ponderosa Ranch der Cartwrights bzw. ein Nachbau, der ab der 10. Staffel aber auch für Dreharbeiten genutzt wurde, liegt übrigens direkt am Lake Tahoe. Seit 2004 ist die Ponderosa Ranch aber geschlossen. Das Land auf der sie steht wurde verkauft und der neue Eigentümer hat kein Interesse daran, dass Horden von Touristen bei ihm rumlaufen. Im Visitor Center von Virgina City bekomme ich aber zufällig mit, dass einige Personen versuchen, die Ranch zu kaufen, Stück für Stück abzutragen und in der Nähe von Virginia City wieder aufzubauen.

So eine Touristen Attraktion braucht Virginia City auch unbedingt, denn die Stadt ist von Kopf bis Fuss auf Touristen eingestellt. Mir gefällt das überhaupt nicht, obwohl die alten Häuser schon ihren Charme haben.

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Wenn das ganze nur nicht wie eine Wild West Version des Fisherman’s Wharf wäre. Einfach ein Souvenir-Laden neben dem anderen. Als ich im Delta Saloon und auf der anderen Strassenseite im Bucket of Blood Saloon vom Gebimmel der Einarmigen Banditen empfangen werde, mach ich auf dem Absatz kehrt und marschiere schnurstracks zu meinem Auto. Furchtbar, hoffentlich ist wenigsten der Friedhof unberührt. Der Friedhof ist in Wirklichkeit nicht ein Friedhof sondern es sind mehrere Friedhöfe, die direkt nebeneinander liegen. Die Menschen lebten getrennt nach Klassen und Rassen, also wurden sie auch getrennt begraben. So gibt es einen Friedhof für Freimaurer, für Feuerwehrmänner, Katholiken, usw. Im Gegensatz zur Stadt gefallen mir die Friedhöfe sehr gut, denn obwohl ich noch Gräber entdecke, sie keine 20 Jahre alt sind, sieht der Friedhof dennoch aus wie im Wilden Westen.

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Nach vielen Fotos geht es weiter Richtung Westen. Da ich keine Lust habe, die selbe Strecke Richtung Süden zur US-50 zu nehmen, habe ich mir im Vorfeld über Google Maps eine Strasse rausgesucht, die von Virginia City westlichen wegführt und auf die US-50 trifft. Leider ist die Strasse auf der AAA-Karte nicht eingezeichnet. Ich kann mich aber noch erinnern, dass sie Irgendwas Mile-Canyon-Road heisst und man entweder von der Stadt aus oder direkt nördlich von Virgina City auffahren kann. Nachdem ich mich bereits im Norden von Virginia City befinde, nehme ich die nördliche Variante, die zudem sicherlich leichter zu finden ist. Ich fahre also ich Richtung Norden und treffe kurze Zeit später auf die Seven-Mile-Canyon-Road. Perfekt! Das war ja kinderleicht. Die Seven-Mile-Canyon-Road entpuppt sich als breite, gut zu befahrende Dreckstrasse, zumindest bis zur Seven Mile Canyon Guest Ranch, keine Meile von der NV-341 entfernt. Ab der Ranch wird die Strasse deutlich enger und ruppiger.

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An manchen Stellen muss man sogar aufpassen, mit dem Auto nicht aufzusetzen.

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Eigentlich macht die Fahrerei extrem viel Spass, aber der Gedanke, mich während der nächsten 10 Meilen im Schritttempo fortzubewegen, jagt mir schon Schauer den Rücken runter. Nach etwa 1.5 Meilen Fahrerei treffe ich plötzlich auf eine Asphalt-Strasse. Ein Blick auf die AAA-Karte verrät mir, dass an der Stelle gar keine Strasse sein dürfte. Macht aber nichts, denn die Himmelsrichtung stimmt und auf Asphalt gehts deutlich schneller voran. Die Strasse offenbart zudem einige optische Leckerbissen. In der Nähe der US-50 sehe ich endlich, auf welcher Strasse ich fahre. Es handelt sich um die Six-Mile-Canyon-Road. Zurück auf der US-50 habe ich vorerst keine Lust mehr auf Dreckstrassen und lasse den geplanten Abstecher über die Fort Churchill Road zum … nonaned … Fort Churchill aus und fahre schnurstracks nach Fallon. Dort angekommen, gönne ich mir ein leckeres Teuflisches Hühnchen im Mexikaner La Fiesta, fülle anschliessend noch einmal schnell den Trailblazer und los geht es über den eigentlichen Teil des America’s Lonliest Highway.

Die meisten Menschen glauben, dass man bei einer Fahrt quer durch Nevada einfach stundenlang durch die Wüste fährt und bis auf Sand wenig zu sehen bekommt. In Wirklichkeit schlängelt sich die US-50 auf ihren 262 Meilen von Fallon bis zu meinem Tagesziel Ely über insgesamt sieben Pässe von 1′925m bis 2′319m Höhe.

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Direkt nach Austin fährt man sogar durch einen Teil des Humboldt-Toiyabe National Forest. Die Bäume sind zugegeben nicht gerade gross, aber immerhin ein Wald mitten in der vermeintlichen Wüstenlandschaft. Inzwischen habe ich es auch mit Regenschauern zu tun. Scheinbar handelt es sich um die Ausläufer des Hurrikans Felix. Soviel für eine trockene, flache und sandige Wüste.

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Die Fahrt gefällt mir gut, aber sie ist nicht so einsam wie erwartet. Natürlich kann man immer wieder einfach mitten auf der Strasse stehen bleiben, um schnell ein Foto zu schiessen, aber es ist immer irgendwo ein anderes Auto zu sehen. Eigentlich möchte ich vor Ely noch einen Abstecher nach Ruth machen, um dort vom Liberty Pit Overlook Fotos eines der grössten Kupferbergwerke im Tagbau zu machen. Leider spielt dank Felix das Wetter nicht mit und da die Fotos ohne Sonne langweilig aussähen, fahre ich direkt weiter bis zum Hotel Nevada und Gambling Hall in Ely.

Das Hotel hat echt Flair. Im Aufzug sind Bilder des Liberty Pits zu sehen. Die sind wirklich toll. Bei schönem Wetter bestimmt einen Stopp wert. Im Zimmer angekommen nutze ich endlich wieder mal den nach langer Zeit möglichen Wireless-Zugriff aus. Eigentlich möchte ich noch den $8.99 Prime Rib Dinner und die $1 10 oz. Draft Beer ausnützen, da ich es mir aber inzwischen schon so gemütlich gemacht habe und vom Mittag noch immer satt bin, bleibe ich stattdessen im Zimmer. Am nächsten Tag habe ich vor, bereits um 4.00 Uhr loszufahren. Es steht wieder mal ein Berg auf dem Programm. Da es doch ein wenig später wird als erwartet, stelle ich den Wecker auf 4.30 Uhr und schmeisse mich gegen Mitternacht endlich ins Bett.

Gefahrene Meilen: 430.6